Digitale Details

Unter digitalen Details kann man zum Einen eine Konstruktion verstehen, die nur mit digitalen Prozessen hergestellt werden kann, oder, zum Anderen, variable Details, die zwar im Prinzip alle gleich, geometrisch aber jeweils verschieden sind.

Das Kölner Kaufhaus Peek & Cloppenburg (Paris) hat 6500 verschiedene Fassadenelemente die aus „digitaler“ Sicht alle gleich sind aber eben geometrisch verschieden. Die Fassade des genannten Kaufhauses ist durch die Gestalt der Firstlinie und durch eine horizontale Kurve, die den am weitesten auskragenden Punkt der Fassade markiert. definiert. Hinzu kommen nun Regeln, wie aus den beiden Ausgangskurven die vertikale und horizontale Fassadenteilung generiert wird. Diese Fassadenteilung wiederum definiert das einzelne Fassadenelement. Dieses System wurde von den Architekten entworfen und eignet sich hervorragend für die Programmierung eines parametrischen Modells. Ändert man nun die Eingangskurven oder eine der Regeln, entsteht, bis ins Detail, eine neue Fassade. Auf diese Weise kann man in kurzer Zeit eine Vielzahl von Varianten generieren und bekommt gleichzeitig alle für die weitere Detaillierung notwendigen Daten (minimale und maximale Winkel zwischen den Elementen, geometrische Toleranzen bei der Überführung einer doppelt gekrümmten Fassadenform in einzelne, ebene Fassadenelemente usw.) Zu jedem Zeitpunkt erhält man die präzise Definition aller 6500 verschiedenen Fassadenelemente sowie alle für die Produktion und Montage relevanten Daten.

Beim Neuen Mercedes-Benz Museum in Stuttgart (UNStudio, Amsterdam, Ben van Berkel, Tobias Wallisser) gehen die Architekten noch einen Schritt weiter. Ein großer Teil des Gebäudes ist das Ergebnis eines geometrischen Prozesses, der alle wesentlichen Bauteile und Räume verbindet. Ändert man ein Element, hat dies die Änderung vieler anderer Teile zur Folge. Die Grundrisse sind nicht Ausgangspunkt dieses Prozesses sonder das Ergebnis. In der konventionellen Planung würde man diese Abhängigkeiten unter allen Umständen vermeiden. Beim Planen mit einem parametrisch-assoziativen Gesamtmodell hingegen sind diese Abhängigkeiten das, was das Programmieren eines solchen Gebäudes vereinfacht. Ist dieser Prozess einmal aufgesetzt, kann man ungehemmt ändern und optimieren oder auf die Anregungen und Wünsche der beratenden Ingenieure eingehen. Meiner Ansicht nach ist die Planung eines so hoch integrierten Gebäudes ohne diese Art von digitalen Planung in der vom Bauherrn gewünschten Zeit schwierig.

Eine ganze Reihe von ausführenden Firmen konnten bei der Produktion auf Daten zurückgreifen, die aus dem genannten Modell abgeleitet wurden. Für die Herstellung der doppelt gekrümmten Sichtbetonschalungen wurden mehrere Tausend ebene Schaltafelzuschnitte generiert, die, zusammengesetzt, bis zu 400m2 große fugenlose, doppelt gekrümmte Schalflächen ergaben.

Da die neue Formenvielfalt architektonischer Entwürfe immer gewaltiger wird, wird es immer neuen Herausforderungen bei der Umsetzung dieser Entwürfe geben. Die digitale Prozesskette vom Entwurf bis zur Produktion kann helfen, diese Entwürfe in der geplanten Zeit und innerhalb der geforderten Budgets angemessen zu Realisieren.

Autor:
Arnold Walz



Digitale Details - Film zum Mercedes Benz Museum

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