
Das Medium "Video" hat sich im Internet in den letzten Jahren rasant etabliert und bisherige Mediengewohnheiten umgekrempelt. Die alte Aufteilung: "Filme im Fernsehen, Texte und Bilder im Internet, Sprache und Musik im Radio" gilt inzwischen nicht mehr. Diese Entwicklung lässt sich vor allem im Unterhaltungsbereich verfolgen, wo Videoplattformen wie YouTube in kürzester Zeit eine enorme Bedeutung erlangt haben, aber auch bei "ernsten" Themen wie Nachrichten oder Fachinformationen, die sich in Form von Online-Videos bequem und "on demand" am Computer abrufen lassen.
In der Immobilienwirtschaft beispielsweise nehmen Videos heutzutage eine wichtige Rolle bei der Präsentation von Bauprojekten ein. Dieser Artikel geht der Frage nach, wie das Marketing von Architekten und die Darstellung von Architektur mit Hilfe von digitalen Videos unterstützt werden kann.
Mit relativ geringem Aufwand ist es dank der heutigen digitalen Videotechnik möglich, eigene Filme zu erstellen, am Computer zu bearbeiten und zu vervielfältigen. Inzwischen lassen sich auf diese Weise auch mit Digitalkamera, Standard-Computer und kostenloser Videoschnitt-Software einfache Filme erstellen, deren Produktion vor wenigen Jahren noch eine teure Spezialausrüstung und Profiwissen erfordert hätte.
Seit Jahrhunderten werden Architekturprojekte mit Plänen, Bildern, Modellen und Texten präsentiert. Diese Medien haben sich bewährt und sind auch im 21. Jahrhundert noch aktuell. Wenn es aber z. B. darum geht, ein Bauprojekt der Öffentlichkeit zu präsentieren, können Videos erfolgreicher sein als die klassischen Medien, da sie der zeitgenössischen Wahrnehmung - geprägt durch das Fernsehen und eben Video-Clips - wesentlich mehr entsprechen als "stumme" Fotografien oder beschreibende Texte.
Ein besonders großes Publikum erreichen Architekturvideos im Internet: Video-Portale wie YouTube oder Google Video ermöglichen eine weltweite Verbreitung. Um die Büro-Präsentation im Internet medial aufzuwerten, können die so publizierten Filme außerdem recht einfach in die eigene Website integriert werden.
Des weiteren sind folgende Einsatzmöglichkeiten für digitale Videos denkbar:
• persönliche Vorführung per Beamer oder Fernsehbildschirm (z. B. vor Bauherren)
• Vervielfältigung auf DVD und Verteilung an Bauherren, Projektpartner oder Journalisten
• Einsatz von "selbstlaufenden" Präsentationen mit Projektvideos auf Messen oder am "Tag der Architektur"
Projekt-Videos lassen sich sowohl in der Planungsphase als auch während bzw. nach Abschluss der Bauarbeiten erstellen. In der Planungsphase können Filme aus der Verknüpfung von Animationen des dreidimensionalen CAD-Modells mit Satellitenfotos oder Realbildern aus dem Projektgebiet erstellt werden. Diese Filme können dann im Rahmen von Wettbewerben sowie bei Präsentationen vor Investoren oder Gremien zum Einsatz kommen.
In der Bauphase kann der Baufortschritt filmisch dokumentiert werden. Nach der Fertigstellung des Bauvorhabens lassen sich Projekt-Videos bei der Immobilien-Vermarktung oder für das Eigen-Marketing des Architektur-Büros einsetzen. Stichwort Eigenmarketing: Neben den projektbezogenen Filmen eignen sich Image-Videos hervorragend als Instrument zur Präsentation des eigenen Büros. Das Video wird damit zum audio-visuellen Büro-Porträt.
Vergleich: Video vs. Fotografie
Im Gegensatz zu Fotos sind Videos an die Darstellung auf dem Computer oder DVD-Player gebunden. Videos lassen sich nicht ausdrucken. Dieser recht banale Unterschied ist der Hauptgrund, warum die Architekturfotografie nicht durch Videos ersetzt werden kann.
Die Präsentation eines Architektur-Projektes kann aber aufgewertet werden, wenn beide Darstellungsformen sinnvoll miteinander kombiniert werden: Während das Fotos bestimmte Perspektiven, Stimmungen und Details präzise dokumentiert, kann das Video - z. B. mit Hilfe von gesprochenem Text und Musik - den Zuschauer eher emotional ansprechen, durch ein Gebäude führen und die Begeisterung dafür wecken.
Insgesamt gesehen nutzen bisher relativ wenige Architekten das Medium Video für die Präsentation des eigenen Büros bzw. der eigenen Projekte. Im Folgenden finden Sie 3 Beispiele von Büros, die Online-Videos für ihr Eigenmarketing einsetzen:
• Beispiel 1
Das junge Architekturbüro "Zeitenweide" (http://www.zeitenweide.de) aus Worms, gegründet 1996, nutzt selbst erstellte Online-Videos seit Sommer 2007. "Angefangen hat es damit, dass wir auf unseren Baustellen gefilmt haben", erzählt Christian Bauer, der das Büro zusammen mit Boris Diehl betreibt. Die Filmstücke bauen die beiden dann in Apple iMovie (siehe Kasten "Videoproduktion") selbst zusammen. Dabei kommen neben Realfilm aus der Digicam, Fotos oder Renderings auch Szenen aus der Animationssoftware "Sketchup" zum Einsatz. Anschließend werden die Filme bei YouTube online gestellt und in die eigene Website integriert. Ein Film wurde bereits über 300 mal abgerufen. Christian Bauer ist mit dieser Art der Projektdarstellung sehr zufrieden: "Die Bauherren sind begeistert, sie empfehlen die Filme oft auch an Freunde und Bekannte weiter!".
Video-Beispiel: Animation der geplanten Kletterhalle in Bensheim
• Beispiel 2
Das traditionsreiche Büro Dr. Krieger Architekten aus Velbert in Nordrhein-Westfalen setzt für die Projektpräsentation auf seiner Website neben Fotos und 360°-Panoramen auch Videos im Quicktime-Format ein. Produziert wurden die Filme von COMKOM, Bochum
http://www.architekt-krieger.de
Filmbeispiel auf der Büro-Website: Sport- und Freizeitbad Emden
http://www.architekt-krieger.de/content/de/baederbau/emden_QT.htm
www.comkom.de
http://www.comkom.de/
• Beispiel 3
Auf der Büro-Website des dänischen Büros 3xn (www.3xn.com (LINK: www.3xn.com) werden verschiedene Filme von geplanten Projekten - z. B. über das Städtebauprojekt "Lighthouse" in Aarhus - präsentiert. Realfilm-Elemente und Fotos sind darin geschickt mit Szenen aus 3D-Animationen kombiniert.
Video-Beispiel: Lighthouse - Städtebauliches Entwicklungsprojekt für den Hafen von Aarhus, Dänemark
Das Thema "Digitales Video" kann eine Wissenschaft für sich sein: wie z. B. bei den unterschiedlichen CAD-Programmen gibt es viele verschiedene Dateiformate. Manche Dateiformate lassen sich außerdem nur auf bestimmten Kombinationen von Computer-Betriebssystem und Software abspielen.
Für eine Film-Präsentation auf DVD oder im Internet ist daher besonders wichtig, dass Sie eine bequeme und einfache Handhabung Ihrer Video-Dateien sicher stellen: Je weniger Einstellungen und Klicks für den Betrachter nötig sind, um Ihre Filme zu sehen, desto eher werden diese auch angesehen!
Für Videos auf DVD bedeutet das: Wie man es von einer Spielfilm-DVD gewohnt ist, sollten auch bei einer DVD mit Architektur-Videos sofort nach Einlegen der Scheibe ein Navigationsmenü erscheinen oder der Film beginnen. Wird der Film dagegen lediglich als Datei auf der DVD gespeichert, muss der Betrachter unter Umständen erst noch eine Abspielsoftware aus dem Internet herunter laden und diese installieren.
Filme im Internet werden heutzutage meist als Video-Dateien im Flash Video-Format (FLV) präsentiert. Da die Abspielsoftware "Flash-Player" bei ca. 98 % aller Internet-Nutzer vorinstalliert ist, können Videos in diesem Format meist problemlos und ohne zusätzliche Software-Installation abgespielt werden. Mehr Abspielkomfort durch "Streaming": Das sogenannte "Streaming" bedeutet, dass ein digitaler Film beim Abspielen Stück für Stück vom Server "nachgeladen" wird. Dadurch steht er dem Betrachter wesentlich schneller zur Verfügung, als wenn die Filmdatei erst auf die Festplatte herunter geladen werden muss, bevor der Abspielvorgang starten kann. Internet-Videos im FLV-Format - z. B. auf den einschlägigen Videoportalen wie "YouTube" etc. - werden in der Regel im "Streaming"-Verfahren angeboten.
Da gerade Architekten den Umgang mit CAD-Programmen, manchmal auch mit Animationssoftware gewohnt sind, liegt es natürlich nahe, bei der Videoproduktion auch selbst tätig zu werden. Das Beispiel des Architekturbüros "Zeitenweide" aus Worms zeigt, das dies auch mit überschaubarem Aufwand möglich ist.
In jedem Fall sind Grundkenntnisse in einer Schnitt-Software erforderlich. Die Kosten für diese Software variieren von sehr wenig (ca. 75 EUR für Einsteiger-Programme wie Premiere Elements oder ca. 30 EUR für Quicktime Pro) bis hin zu stattlichen 1.000 EUR für Profi-Programme wie Final Cut Pro (von Apple) oder Adobe Premiere. Kostenlos sind dagegen Apples iMovie (auf neueren Mac-Rechnern bereits vorinstalliert) oder Microsofts Movie Maker (kostenlos bzw. auf Windows-Rechnern teilweise vorinstalliert).
Informationsquellen für die Videoproduktion im "Eigenbau" (Schnitt, Hard- und Software) bietet die englischsprachige Seite
"Toolbox" auf YouTube und das Online-Magazin "
slashCAM.de".
Wer die Einarbeitung in die Geheimnisse von Schnitt-Software, Filmvertonung und Dateiformate vermeiden möchte, sollte einen professionellen Filmproduzenten mit der Video-Produktion beauftragen. Einige Anbieter in Deutschland haben sich auf Architektur-Themen spezialisiert und sind damit kompetente Ansprechpartner für Architekturbüros (siehe Liste).
Die Filme werden von den Produzenten nach Vorgaben des Kunden aufgenommen, dann digital geschnitten und vertont. Anschließend werden sie als DVDs gebrannt und/oder für den Einsatz als Online-Video Internet optimiert an die Kunden übergeben.
Fred Plassmann, Gründer und Inhaber von
"Offscreen Medienproduktion" aus Berlin, hat bereits für Architekturbüros wie Jürgen Mayer H, Bolles-Wilson oder GRAFT Filme produziert.
Auf die Frage nach der optimalen Länge für ein Architektur-Video meint der Filmemacher: "Erfahrungsgemäß sind 5 oder 6 Minuten auf jeden Fall ausreichend. Kurze Filme sind meist viel griffiger." Auch gelänge es bei kurzen Filmen besser, so Plassmann weiter, die Aufmerksamkeit des Publikums zu binden.
Kosten: Die Honorare variieren natürlich von Anbieter zu Anbieter. Als Richtschnur daher folgende Preisspanne: Für ein Image- oder Projektvideo mit 3-6 Minuten Länge eines professionellen Filmproduzenten müssen ungefähr 2.000 bis 4.000 EUR gerechnet werden.
Produzenten und Filmemacher mit "Architektur-Bezug":
• Architektur und Medien, Aichach http://www.architektur-und-medien.de/
• NEXTFRAME, Hannover http://nextframe.de/
• OFFscreen Medienproduktion, Berlin http://www.offscreen.de/
• COMKOM, Bochum http://www.comkom.de/
von Offscreen Medienproduktion (
architekturclips.de)
Sollte der Film nicht korrekt dargestellt werden, bitte
hier klicken.
Ein eigenes Video auf einem der bekannten Video-Portale im Internet zu veröffentlichen ist einfach, kostenlos und bringt eine hohe Reichweite für die eigenen Projekte. Vor allem aber lassen sich die auf den fremden Server hochgeladenen Filme bequem in die eigene Website "einbetten": neben der einfacheren Handhabung bei der Website-Pflege spart man dadurch sogar noch Online-Speicherplatz. Bei Dateigrößen von bis zu 100 MB pro Film ein nicht unerheblicher Vorteil.
Schritt 1: kostenlose Anmeldung bei einem der Video-Portale. Hierfür ist mindestens die Angabe einer E-Mail-Adresse erforderlich.
Schritt 2: Auswahl der hochzuladenden Video-Datei von der eigenen Festplatte und Upload (DSL oder ähnlich schneller Internet-Zugang empfehlenswert).
Schritt 3: Benennung und Beschreibung des Films sowie Verschlagwortung. Sehr wichtig, denn durch diese Angaben wird Ihr Film über die Suchfunktion des Video-Portals, aber auch über normale Suchmaschinen erst auffindbar! Je ausführlicher, desto besser. Meist können auch Links zur eigenen Büro-Website gesetzt werden. Dies sollten Sie unbedingt nutzen.
Schritt 4: Nach der Veröffentlichung des Videos können Sie den sogenannten "Embed-Code" - das sind ein paar Zeilen HTML - herauskopieren und in den Quellcode Ihrer Büro-Website einsetzen. Daraufhin erscheint das Video auch auf Ihrer Büro-Website.
Auf den unten aufgelisteten Video-Portalen können Sie Ihre Videos - in der Regel kostenlos - einstellen. Möchten Sie das Video nicht nur auf dem Portal selbst, sondern auch auf anderen Websites, z. B. Ihrer Büro-Website veröffentlichen, können Sie sich nach Veröffentlichung Ihres Videos den erforderlichen HTML-Code zur "Einbettung" kopieren (siehe "So veröffentlichen Sie Ihre Videos im Internet").
Die verschiedenen Video-Portale bieten im Prinzip alle die gleiche Dienstleistung, sie unterscheiden sich aber in der Popularität (Nutzerzahlen) und in der Darstellungsqualität der hochgeladenen Videos.
Besonders hohe Nutzerzahlen haben z. B. Google Video und vor allem YouTube, dadurch erreicht ein dort veröffentlichtes Video wesentlich mehr Zuschauer als auf anderen Portalen. Eine besonders hohe Bildqualität bietet dagegen blip.tv. Andere Portale, z. B. MyVideo.de, gehören zu großen Fernsehsendern, bieten hauptsächlich "lustige" Videos. Sie sind daher nicht unbedingt das optimale Umfeld für die Projektpräsentation eines Architekturbüros.
Wer seine Videos bei verschiedenen Plattformen einstellen möchte, kann dies natürlich auch tun. Solche "Mehrfach-Einstellungen" bedeuten zwar etwas mehr Arbeit, erhöhen aber die Zuschauer-Zahlen deutlich.
• YouTube http://www.youtube.de
• videocommunity http://www.videocommunity.com
• Sevenload http://de.sevenload.com
• Videotube http://www.videotube.de
• Google Video http://video.google.de
• Focus Online LIVE http://live.focus.de/videos/
• dailymotion http://www.dailymotion.com/de
• blip.tv http://blip.tv
• Videoegg.com http://www.videoegg.com
• clipfish.de http://www.clipfish.de
• MySpace TV http://vids.myspace.com/
• MyVideo.de http://www.myvideo.de
• WatchBerlin http://www.watchberlin.de
• uncutvideo.aol.de http://uncutvideo.aol.de
Autor:
Eric Sturm
Internet für Architekten