Solarbranche von internationaler Finanzkrise betroffen

Erneuerbare Energien

An den euphorischen Vorhersagen kann es nicht gelegen haben: Bis 2020 sollten laut Opens external link in new windowMcKinsey & Company mehr Menschen im Bereich Umwelttechnologie arbeiten als heute in der Automobilindustrie, und die Opens external link in new windowBundesregierung prognostizierte 2007 gar eine Verdoppelung ihres Umsatzes von derzeit 1.000 Mrd. Euro innerhalb der nächsten 15 bis 20 Jahre. Jetzt ist mit der Solarbranche der scheinbar natürliche Gewinner der Ölpreisentwicklung in die Mühlen der Finanzkrise geraten:


Den Anfang machte Conergy: Der Hamburger Solarkonzern verbuchte bei gestiegenen Umsätzen im dritten Quartal 2008 vor Zinsen und Steuern ein Ergebnis von minus 15 Millionen Euro und rechnet auch im Schlussquartal mit „einem deutlich negativen Ergebnis nach Steuern“. Abhilfe schaffen soll eine Kapitalerhöhung.

Nicht besser erging es dem Berliner Solarmodul-Hersteller Solon AG, der sein Umsatzziel mit Verweis auf die Finanzkrise um 100 Millionen Euro auf 800 Millionen Euro nach unten korrigierte; die Prognose für 2009 gleich um ein Drittel nach unten. Schuld daran ist neben der Kaufzurückhaltung aufgrund der wirtschaftlich unsicheren Lage auf dem Inlandsmarkt vor allem der Absatzeinbruch in Spanien: Nach einem im September verabschiedeten Gesetz dürfen 2009 nur noch Solaranlagen im Gesamtvolumen von 500 Megawatt installiert werden – bis September 2008 lag die installierte Leistung bereits bei 926 Megawatt. Jetzt hofft Solon neben Italien und Griechenland auch auf den Heimatmarkt.

Experten sorgen sich bereits um die Wachstumsaussichten der Branche: Analysten der Deutschen Bank halbierten das Branchenwachstum für 2009 auf 20 Prozent, die WestLB rechnet wegen der reduzierten Förderung in Deutschland gar mit einer Stagnation. Und weil aufgrund neuer Fabriken gleichzeitig auch die Produktion steigt, rechnet die Landesbank Baden-Württemberg mit Modulpreisen von bis zu 20 Prozent unter dem Vorjahr – der Beginn eines Ausleseprozesses unter den Modulherstellern.

Fels in der Brandung ist derzeit die Solarworld AG: Der Bonner Konzern kündigte an, die eigene Prognose übertreffen zu wollen. Im Unterschied zu Solon und anderen Unternehmen der Branche hat Solarworld allerdings die Finanzierung seines unternehmerischen Wachstums der nächsten Jahre bereits gesichert – bei einem Andauern der Finanzkrise dürften gerade Anbieter von solaren Großkraftwerken Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme bekommen. Mittelfristig liegen die Hoffnungen der Branche darauf, dass Barack Obama seine ambitionierten umweltpolitischen Wahlversprechen in die Tat umsetzt. Von der jüngsten Steuererleichterung für Solaranlagen profitieren nicht nur die US-Verbraucher, sondern auch die Hersteller.

Für positive Schlagzeilen sorgte jedenfalls Solarword’s Offerte an General Motors, die vier deutschen Opel-Werke und das Rüsselsheimer Entwicklungszentrum übernehmen zu wollen, um aus dem deutschen Traditionsunternehmen den ersten „grünen“ Autokonzern zu machen. Auch wenn man in Detroit davon (noch) nichts wissen will, und die Solarworld-Aktie stark unter Druck geriet – eines zeigt das PR-trächtige Angebot: Die Solarbranche muss als Zukunftstechnologie ernst genommen werden.

Weitere Informationen zum Thema:

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Autor: Jochen Paul