Vortrag von Dr. Michael Braungart

Prof. Dr. Michael Braungart: Cradle-to-Cradle-Design
Vortrag auf dem DETAIL Symposium Energie und Nachhaltigkeit am 14. Januar 2009 in München

„Wenn Sie Energie sparen wollen, dann nehmen Sie den Aufzug.“
Was er damit meint, erklärte Prof. Dr. Michael Braungart in seinem inspirierenden Vortrag „Cradle-to-Cradle-Design“, in dem er einige provokante Thesen in den Raum stellte und Architekten und Planern das Cradle-to-Cradle-Design (C2C-Design) näher brachte. Cradle to Cradle ist durch die Natur inspiriert, in der es keine Probleme mit Abfall gibt, in der vielmehr Abfall gleichbedeutend ist mit Nahrung. Vom Begriff Nachhaltigkeit gelangweilt spricht sich Braungart für „intelligente Verschwendung“ aus, bei der jedes Produkt von der Wiege in die Wiege (Cradle to Cradle) wandert und biologisch sowie technisch vollständig recycelt wird. Und das mit positiven Effekten für Umwelt und Gesundheit.

Laut Braungart haben wir noch kein Energieproblem auf der Erde sondern lediglich ein Chemieproblem, denn das Problem ist CO2 und CO2 ist eine Chemikalie. Energie muss nur richtig geerntet werden. Innovationen hierzu entstehen hauptsächlich in den USA, weil dort vor allem im Baubereich nicht mit staatlicher Hilfe zu rechnen ist und jeder selbst aktiv werden muss. „In Deutschland wird man für Probleme bezahlt, in den USA für Lösungen.“ In Deutschland werden Häuser versiegelt, um Subventionen für Gasdichtheit zu bekommen, dabei gefährdet dies die Raumluftqualitäten enorm.

Braungart spricht sich für ein Aktivhauskonzept aus und nicht für das von uns als fortschrittlich bezeichnete Konzept des Passivhauses. „Wollen sie wirklich in einem Passivhaus leben? (...) Ich möchte in einem Aktivhaus leben.“ Ein Haus sollte energiepositiv und nicht energiepassiv sein. Sämtliche Materialien eines Aktivhauses könnten in den technischen Kreislauf zurückgeführt werden, ähnlich wie beim natürlichen Kreislauf, und beliebig oft wiederverwendet werden. Diese Materialien nennt Braungart technische Nährstoffe. Ein Passivhaus hingegen würde nur sparen, verzichten und reduzieren und „falsche Dinge effizient machen und damit effizient falsch. Wenn sie etwas Falsches perfektionieren ist es perfekt falsch.“

Bei der Auswahl von  Baumaterialien aber auch anderen Produkten muss schon die nächste Nutzung bedacht werden. Es darf kein Abfall entstehen. Produkte und Materialien sind bei Cradle to Cradle nur Serviceleistungen oder Leihgaben, die beim Hersteller zurückgegeben werden können. Der Kunde erhält ein neues Produkt und der Hersteller verwendet die Materialien für neue Produkte. Auch der Umweltschutz in Deutschland sei nur ein weniger kaputtmachendes Konzept anstatt eines, das der Umwelt nutzt. Von Braungart als Schuldmanagement bezeichnet. Er und seine Mitstreiter fordern ein Ende von falsch verstandenem Recycling und isolierten Energiebetrachtungen. Im Vortrag werden unter anderem erfolgreiche Cradle-to-Cradle-Projekte vorgestellt, die in Zusammenarbeit mit der Industrie entwickelt und durchgeführt wurden.

Literaturtipp:
William McDonough und Prof. Dr. Michael Braungart:
„Cradle to Cradle: Remaking the Way We Make Things“

Weitere Informationen:
Opens external link in new windowwww.epea.com

Der vollständige Vortrag von Prof. Dr. Michael Braungart steht Initiates file downloadhier zum Download bereit.