Vortrag von Prof. Dr. Ing. Gerhard Hausladen


Prof. Dr. Ing. Gerhard Hausladen

Ganzheitliches Planen – eine wichtige Vorraussetzung für nachhaltiges Bauen

Zusammenfassung des Vortrags vom 15. Dezember 2007, Darmstadt, DETAIL Symposium Energie und Nachhaltigkeit.

Mit einem Beispiel aus China führte Professor Hausladen in die Thematik des ganzheitlichen Planens und Bauens ein. Auf einer seiner letzten Reisen nach Asien habe er eine Wohnanlage besichtigt, die vor einigen Jahren mit einer Tiefgarage für Fahrräder verwirklicht wurde, nun aber die Problematik hat, dass es keinen Platz für Autos gibt, da diese vor sieben Jahren bei der Errichtung in China noch keine Rolle gespielt haben im Gegensatz zu heute. Diese Schnelllebigkeit sieht Professor Hausladen nicht nur in China als Problem, sondern auch bei uns. Daher sollte man nicht die Bestimmungen der EnEV erweitern und eine halbherzige 20%-Verbesserung der Häuser anstreben, sondern das Ziel müsste zukunftsfähige Nullenergiehäuser sein, bei denen die Wirtschaftlichkeit nicht an erster Stelle stehe.

„Man fragt schließlich bei einem Opernbau auch nicht nach der Wirtschaftlichkeit.“

Die Energie als eine der wichtigsten Größen hat seiner Meinung nach ein schwereres Los, da man in diesem Punkt genaue Wirtschaftlichkeitsberechnungen anstellen kann. Dazu bringt Hausladen in seiner humorvollen Art ein pointiertes Beispiel direkt aus dem Leben gegriffen. Ein Nachbar fragte ihn vor einiger Zeit: „Hofpflastern oder thermische Kollektoren?“ Was von beiden Dingen sei wohl wirtschaftlicher? Der Nachbar hat sich nach der Beratung von Prof. Hausladen für die Kollektoren entschieden. Was hierbei fehle, so die Meinung des Redners, sei ein angesagtes Marketing.

„Es muss schick werden, das muss sexy sein, das muss geil werden, Energie einzusparen“

So müsse es ein Ansporn werden, ein Haus zu besitzen, das Wohlfühlhaus oder Klimahaus heißt, so Hausladen, und bezieht sich dabei auf das System unserer Nachbarn in Südtirol. Man müsse somit ein positives Image mit Thema des energieeffizienten Bauens transportieren, und nicht wie es jetzt der Fall ist, Häuser nach der Kreditanstalt für Wiederaufbau katalogisieren. Von dieser Warte müsse die Zielsetzung sein, 2/3 der fossilen Energien zu reduzieren, 1/3 umzustellen auf regenerative, denn nur diese Menge sei realistisch an erneuerbaren Energien gewinnen zu können.

„Die 2.000- und die 6.000-Watt-Gesellschaft“

Auch Themen wie Stoffflüsse im Baubereich oder Recycling werden uns beschäftigen. Hausladen unterscheidet für sich ganz klar zwischen „Architektur und Architekturkunst“. Seiner Meinung nach sollte es darum gehen, wie wenig Stahl verbaut worden sei und weniger sich damit zu brüsten, wie viel man verbaut hat. Hierbei sollten das Gebäude und die Technik eine Einheit bilden. Als dritte Dimension nennt er die Energieerzeugung und im speziellen auch die Wertigkeit dieser Energie.

„Exergie“

Dabei geht es um die Ausnutzung der gesamten Kapazität der Energie. Um 60 Grad heißes Wasser zu erzeugen, benötigt man nicht eine Kapazität von 400 Grad, so Hausladen. Zur Veranschaulichung eines Prozesses für ganzheitliches Planen und Bauen erläuterte er den Neubau der Stadtwerke Ulm: ein klar gegliederter Glaskörper, bei dem es sich trotz des hohen Wärmeeintrags im Sommer um ein Nullenergiehaus handelt. Photovoltaik-Paneele auf dem Dach und in die Fassade integriert erzeugen einerseits Energie und sorgen zudem für die notwendige Verschattung.

Die Intention für zukünftiges Bauen sollte es sein nicht nur kurzzeitig schöne Bilder zu erzeugen, sondern auch die Nachhaltigkeit eines Gebäudes garantieren zu können.

Die Ganzheitlichkeit im Planungs- und Bauprozess beschäftigt Professor Hausladen neben dem Aspekt einzelne Gebäude zu optimieren, auch in einer übergeordneten Dimension, so in der Betrachtung einzelner Kommunen und Landkreise. Am Beispiel dreier willkürlicher Orte erklärt er das Prinzip einer kommunalen Energieversorgung. Zurzeit ist das Prinzip einfach: Strom fließt aus den Kraftwerken. Gas und Öl werden verbrannt, nur leider nicht auf dem Temperaturniveau, auf dem man es eigentlich nutzen könnte und es gibt kein ineinandergreifendes Konzept. Die Lösung scheint für viele die Idee:

„Jetzt werden wir regenerativ!“

Dies ist aber in Hausladens Augen auch nicht ausnahmslos gut, denn ausschließlich mit Biomasse Wärme zu erzeugen, die wieder eine höhere Wertigkeit hat als benötigt, kann nicht die alleinige Lösung sein, sondern nur eine Verlagerung. Umweltfreundlicher sind Systeme, die ineinander greifen. Als einen Ansatzpunkt für die Zukunft nennt Hausladen die dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung zu forcieren, und somit das „Abfallprodukt“ der Stromerzeugung zu nutzen. Auch die „Umweltwärme“ beispielsweise in Form von Erdwärme oder Grundwasser, muss ausgeschöpft werden. Somit erzeugte Niedertemperaturwärme kann in Verbindung mit flächigen Heizsystemen effektiv betrieben werden. Diese Entwicklung spielt gerade auch in der Stadt und Kommunalentwicklung eine zentrale Rolle. Da sich die Lebensbedingungen der Gesellschaft rapide ändern, muss die Architektur flexibel bleiben. Es gibt nicht mehr das typische Haus ...

„ ... zwei Kinder-, ein Elternschlafzimmer mit Nachtkästchen.“

Die neuen Konzepte lauten Flexibilität und Variabilität. Um von den eingefahrenen Funktionsschemata die heute sowohl in der energetischen Frage, aber auch in der Variabilität der Grundrisse und in der Planung vorherrschen wegzukommen, müssten die Planer der einzelnen Disziplinen ein Projekt von Anfang an gemeinsam entwickeln und kommunizieren.

Als einen der Schwerpunkte seines Wirkens in der Lehre und Forschung hat Professor Hausladen es sich zur Aufgabe gemacht, die Kommunikation zwischen Architekt, Tragwerksplaner und ClimaDesigner zu verbessern und Fachleute auszubilden, die einen solchen Planungsansatz beherrschen und als solche planen und bauen. Nur so, prophezeit uns Prof. Dr. Hauslanden, gelingt „nachhaltiges, energiesparendes Bauen“.

Der vollständige Vortrag von Prof. Hausladen steht Initiates file downloadhier zum Download bereit.