Der vierte IPCC-Bericht des UN-Klimarats vom Februar 2007 und das starke Echo in den Medien brachte das Thema in alle Köpfe:
Die Klimaveränderung schreitet schneller und dramatischer voran, als vom Großteil der Forscher bisher angenommen. Der Zeitraum, der zur Verfügung steht, um die allerschlimmsten Folgen durch eine radikale Trendwende im Umgang mit den natürlichen Ressourcen zu verhindern, umfasst nur noch etwa ein Jahrzehnt. Die heute aktive Generation hat es also in der Hand, ob die notwendige Energiewende gelingt. Dabei beschäftigen sich inzwischen nicht nur ökologisch orientierte Gruppen mit Klimafolgenforschung, sondern auch die Risikoabteilungen der großen Banken und Rückversicherer, die sicher nicht im Verdacht ideologischer Motivation stehen. Die Erkenntnis, dass ein schonender Umgang mit den Ressourcen schlicht überlebensnotwendig ist, scheint sich in den meisten Industrieländern endlich durchzusetzen.
Die Nachfrage nach energieeffizienten Gebäuden wird daher deutlich steigen. Architekten, die hier bemerkenswerte Referenzen aufzuweisen haben, sind momentan sogar als Gesprächspartner in Fernseh-Talkshows gefragt. Nachdem etwa 35 % der CO2-Emissionen beim Betrieb von Gebäuden anfallen, kann die ökologische Verantwortung der Planer kaum überschätzt werden. Umsomehr, als Gebäude sehr langfristig genutzt werden und bis zur nächsten Maßnahme nach einem Neubau oder einer Sanierung oft Jahrzehnte vergehen. Macht man sich klar, dass die Instandhaltungs- und Betriebskosten eines Gebäudes über die Nutzungsdauer das Vierfache der Bauwerkskosten ausmachen können, wird die ökologische Frage auch zu einer ökonomischen.
Dass Energieeffizienz nicht im Widerspruch zu gestalterischer Qualität steht, ist inzwischen durch viele positive Beispiele belegt. Einige finden sich in diesem Heft. Hocheffiziente Gebäude sind wichtige Pilotprojekte für die Zukunft des Bauens weltweit. Längst beschränken sich solch hohe energetische Standards nicht mehr auf kleinere, experimentelle Wohnungsbauten, sondern haben sich neben größeren Wohnanlagen auch in Verwaltungs- oder Schulgebäuden bewährt. Ein energetisch hoher Standard allein kann natürlich keine Gewähr für architektonische Qualität sein. Wer sich als Architekt jedoch ausschließlich ästhetischen Fragen verpflichtet fühlt, wird erkennen müssen, dass ihm die Gesellschaft die Auseinandersetzung mit dem Energieverbrauch seiner Gebäude abverlangt. Schließlich sind wir nicht nur für das verantwortlich was wir tun, sondern auch für das was wir nicht tun.
Autor: Andreas Gabriel
