Altenwohn- und Pflegeheim in Steinfeld

Das als Passivhaus konzipierte Altenwohn- und Pflegeheim liegt am westlichen Ortsrand der kleinen Kärntner Gemeinde Steinfeld. Mit seiner Ost-West-Orientierung reagiert das Gebäude auf die Umgebung: Servicebereiche bilden einen Puffer nach Norden zur Bundesstraße, während sich die Wohnungen und Aufenthaltsbereiche zur Landschaft orientieren. Von außen wirkt der kompakte Baukörper schlicht und monolithisch, im Inneren erleichtern Sichtverbindungen und eine einfache Wegeführung die Orientierung. Großzügige und flexible Räume ermöglichen ein kommunikatives Miteinander. Im Erdgeschoss befinden sich neben den Versorgungs- und Verwaltungseinrichtungen auch der Fest- und Speisesaal, eine Bibliothek und eine Kapelle. Die Räume stehen nicht nur den Bewohnern zur Verfügung, sondern werden auch von der Öffentlichkeit genutzt. Die beiden Obergeschosse beherbergen Wohn- und Pflegeeinheiten.


Die 34 Einzel- und 8 Doppelzimmer verfügen jeweils über ein eigenes rollstuhlgerecht ausgeführtes Bad. Raumhohe Fenster mit tiefen Holzbrüstungen geben den Blick auf die Landschaft frei. Zwischen den Wohneinheiten liegen großzügige Aufenthaltsbereiche mit integrierter Küche und einer vorgelagerten Loggia. Alle Räume sind um das innenliegende, als Wintergarten gestaltete Atrium angeordnet, das zusätzlich über Stege erschlossen wird. Die barrierefreie Ausführung der Raumschwellen und Balkonbereiche gewährleistet, dass auch auf den Rollstuhl angewiesene Bewohner sich uneingeschränkt im Gebäude bewegen können. Über dem massiven, leicht zurückversetzten Erdgeschoss aus Beton lagern die Obergeschosse als reine Holzkonstruktion. Vorgefertigte Holzriegelwände und Brettschichtholzstützen leiten die Lasten in die Betondecke ab. Die Fassade ist mit einer vertikalen Schalung aus Lärche verkleidet. Tiefe, teilweise über Eck geöffnete Loggien und die individuell verstellbaren Holzschiebeläden verleihen dem Gebäude ein lebendiges Erscheinungsbild.


50% Energieersparnis durch konsequente Planung

Die kompakte, hochgedämmte Gebäudehülle senkt die Transmissionswärmeverluste auf das Niveau eines Passivhauses. Die Be- und Entlüftung des Gebäudes erfolgt über das zentral angeordnete Atrium, das als Pufferzone zwischen den Außen- und Innenraumtemperaturen fungiert: Im Winter wird nach der Vorwärmung der Luft in Erdregistern durch die zusätzlichen solaren Energieeinträge eine durchschnittliche Erwärmung der Lufttemperatur von etwa 20 ˚Celsius erzielt. Im Sommer dagegen wird die Temperatur der zugeführten Außenluftt durch die Erdregister abgekühlt. Textile Sonnenschutzbahnen über dem Glasdach verhindern eine Überhitzung der Luftmassen und halten die Temperatur auf durchschnittlich 25 ˚Celsius.


1 Frischluft Erdregister
2 Frischluftspeicher
3 Quelllüftung
4 Fortluft mit Wärmerückgewinnung
5 Sonnenschutz
6 natürliche Entlüftung/Abluft



Die natürliche Entlüftung des Atriums erfolgt im Sommer über das Dach. Die Individualräume werden über eine Quelllüftung mit Frischluft versorgt. Größere Raumeinheiten wie Küche und Speisesaal sind mit einer mechanischen Be- und Entlüftungsanlage ausgestattet. Über eine Wärmerückgewinnungsanlage wird der Abluft die Restenergie entzogen und der nachströmenden Frischluft wieder zugeführt. Durch die Nutzung von Regenwasser, separater Steuerung der Heizgruppen und elektronischer Vorschaltgeräte zur Belichtung erzielt das Gebäude insgesamt Energieeinsparungen von rund 50% gegenüber konventionellen Pflegeheimen.

 

Architekt:
Dietger Wissounig, Graz

Tragwerksplaner:
Kurt Pock, Gerolf Urban, Spittal/Drau

 

 

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