Gemeindehaus in Ludesch

Das Gemeindezentrum umklammert mit seinen drei Baukörpern einen neuen überdachten Platz. Innerhalb der sehr heterogenen Struktur der Gemeinde, die keinen verdichteten alten Kern oder ein gewachsenes Zentrum besitzt, wird so erstmals eine echte Mitte definiert, die der losen räumlichen Beziehung der bestehenden Gemeindebauten wie Kirche, Schule und Saal Halt gibt. An den neuen Platz lagern sich die im Gebäude untergebrachten Funktionen wie Gemeindeamt, Post, Café, Läden, Vereinsräume und Büros sowie eine Säuglingsgruppe und ein kleinerer Saal an und beleben das Geschehen unter der schattenspendenden Überdachung, die mit transluzenten Photovoltaikelementen gedeckt ist. Als Forum und Treffpunkt soll das Gemeindehaus einen Gegenpol bilden zur zunehmenden Individualisierung innerhalb der dörflichen Strukturen. Das äußere Erscheinungsbild des Holzbaus wird geprägt vom Zusammenspiel von Holzverschalung und vertikalen sägerauen Holzlamellen mit den großflächigen rahmenlosen Verglasungen und den präzise gesetzten Stahlteilen. An den äußeren Fassaden umlaufende, auskragende horizontale Sperrholzplatten tragen den in weitem Abstand vor den Fenstern liegenden textilen Sonnenschutz und bilden einen guten konstruktiven Holzschutz.


Nachhaltiges Gebäudekonzept

Der am Vorarlberger Landesprogramm für energieeffiziente »e5«-Gemeinden beteiligte Ort Ludesch war daran interessiert, das Gebäude als mustergültiges Lehrbeispiel für engagiertes nachhaltiges Bauen umzusetzen.

Folgende Aspekte verdeutlichen die besondere ökologische Qualität:

  • Mit einem sehr geringen Gesamtenergieaufwand entspricht das Gebäude demPassivhausstandard (siehe Kenngrößen oben).

  • Den Restwärmebedarf deckt ein örtlicher Biomasse-Nahwärme-Verbund.

  • Automatische Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung und dezentralen Induktions-Luftdüsen sorgen für einen hohen hygienischen Standard des Innenraumklimas.

  • Im Bedarfsfall erfolgt eine Gebäudekühlung über Grundwasser.

  • Die Platzüberdachung mit 350 m2 transluzenter Photovoltaikelemente erzeugt soviel Strom, dass Überschüsse ins Netz eingespeist werden.

Das Projekt wurde durch eine vom österreichischen Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie beauftragte Studie der Programmlinie »Haus der Zukunft« begleitet. Bei der Baustoffauswahl wurde auf die Verwendung von Weißtanne aus regionalem Anbau und Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen geachtet. Auf PVC, lösemittelhaltige Beschichtungen und Klebstoffe sowie formaldehydhaltige Werkstoffe wurde konsequent verzichtet. Die Mehrkosten der ökologischen Materialwahl wurden über eine »doppelte« Ausschreibung kontrolliert und mit lediglich 1,8 % der Nettobaukosten von 4,6 Mio Euro festgestellt. Die Bauteilaufbauten wurden anhand ökologischer Variantenbewertung festgelegt, was beim Außenwandaufbau zu einer Ausführung mit massiven Holzstehern 70/300 führte, mit Zellulosedämmung im Wandelement sowie Schafwolldämmung in der Installationsebene. Alle Bauteilübergänge und Fensteranschlüsse wurden als Wärmebrücken berechnet. Die einwandfreie Ausführung der Luftdichtheitsebenen sowie der Materialvorgaben konnte durch umfangreiche Bau überwachung sichergestellt werden.


A Haustechnik / Grundwasserbrunnen
B Wärmestromdichte Attika

1 Filter
2 Wärmetauscher
3 Lüftungsgerät
4 Frischluftvorwärmung
5 Kühlfall
6 Solarkollektor
7 Solar-Pufferspeicher
8 Saugbrunnen
9 Sickerbrunnen

Heizwärmebedarf ca. 15 kWh/m2a

 

Architekt:
Hermann Kaufmann, Schwarzach

Mitarbeiter:
Roland Wehinger, Martin Längle, Norbert Kaufmann

Tragwerksplaner:
Mader & Flatz, Bregenz
merz kaufmann partner, Dornbirn

 

 

Den vollständigen Beitrag finden Sie in Opens external link in new windowDETAIL 6/2007 Energieeffiziente Architektur


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