Kalkputze

Der Begriff Kalkputz ist nicht eindeutig definiert. Bis zur Entwicklung der Zementindustrie im 19. Jhd. wurden mehrlagige Kalkputze ausgeführt. Die »klassischen« Kalkmörtelputze sind die Weißkalkmörtelputze, die mit dem in der Kalkgrube gelagerten Löschkalk (Weißkalkhydratteig) hergestellt werden.

Baukalke sind die wichtigsten mineralischen Bindemittel für Putzmörtel. Kalkputze finden als Unter- und Oberputze, als Innen- und Außenputze Verwendung. Sie eignen sich zum Verputzen aller saugenden, mineralischen Untergründe.

Wichtig bei der Erzeugung von Bindemitteln ist die Verbindung von Ausgangszusammensetzung der Rohstoffe und deren Brenntemperaturen. Baukalk wird durch das Brennen von Kalkstein (CaCO3) bei einer Temperatur von unter 1250 °C hergestellt. Der entstandene Branntkalk (CaO) reagiert mit Wasser zu gelöschtem Kalk, Kalkhydrat, Ca(OH)2. Beim Trockenlöschverfahren wird so viel Wasser zugegeben, bis ein trockenes Pulver aus Kalkhydrat entsteht. Beim Nasslöschverfahren wird Wasser im Überschuss hinzugegeben. Es entsteht ein Kalkteig aus Kalkhydrat und Wasser, der als Sumpfkalk längere Zeit eingelagert werden kann. Putze, die mit Sumpfkalk hergestellt werden, sind flexibler.

Kalkmörtel, die als Bindemittel ausschließlich Kalkhydrat haben, erhärten nur durch Carbonatisierung. Kohlenstoffdioxid (CO2) der Luft bildet mit dem Mörtelanmachwasser Kohlensäure (H2CO3), die mit dem gelöschten Kalk zu dem begrenzt wasserbeständigen Kalkstein reagiert: das Wasser verdunstet. Der Kreislauf des Kalks kann auch in anderer Richtung erfolgen. Die Folgen von Verwitterung durch thermische Verformung, Eissprengung, kristallisierende und hydrierende Salze kann der Kalkputz unter Einfluss von Feuchtigkeit und durch CO2 aus der Luft ausgleichen. Bei älteren Gebäuden mit historischen Putzen ist daher oft die Wetterseite am besten erhalten.

Bei Innenputzen ist für die ausreichende CO2-Zufuhr zu sorgen, damit die Carbonatisierung stattfinden kann. Die hohe Luftfeuchtigkeit der Innenräume ist bei den Standzeiten zu beachten. Durch die Zugabe puzzolanischer Zusatzstoffe kann die Festigkeit von Luftkalken erhöht werden. Dieses Verfahren nutzten die Römer bei ihrem zementähnlichen Werkstoff
Opus caementitium.

Steigt der hydraulische Anteil der Kalkputze, so entsprechen sie in der Festigkeit immer mehr den Kalkzementputzen. Die hydraulischen Kalke, die durch Brennen von Kalkmergel (tonhaltigem Kalkstein) bei 1200 °C entstehen, nehmen eine Zwischenstellung zwischen Luftkalk und Zement ein.

Aus Kalk können sowohl relativ weiche, rein carbonatisch erhärtende Luftkalkmörtel, als auch hydraulisch erhärtende Mörtel mit viel höherer Festigkeit hergestellt werden. Die hydraulische Erhärtung kann auch unter Wasser stattfinden. Der große Vorteil der Kalkputze besteht in ihrer sehr guten Wasserdampfdiffusionsfähigkeit. Kalkputze sind alkalisch.

Anforderungen an Baukalk: DIN 1060-1.
Kalkputze zählen nach DIN 18550 zur Mörtelgruppe P I, P II.


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