Mies van der Rohe Preis

Transluzentes Polykarbonat in der Fassade und eine Tragstruktur aus Stahl prägen die Architektur der Schule in Koprivnica. (Foto: Robert Les)
Transluzentes Polykarbonat in der Fassade und eine Tragstruktur aus Stahl prägen die Architektur der Schule in Koprivnica. (Foto: Robert Les)

Eine besondere Erwähnung des diesjährigen Mies van der Rohe Preises ging an das Architekturbüro Studio Up für das Gymnasium 46°09N/16°50E im kroatischen Koprivnica. Das Gebäude zeichnet sich durch seinen vielfältigen Einsatz des Baumaterials Stahl aus.

Die 31000 Einwohner große Stadt Koprivnica liegt im Nordosten Kroatiens nahe der ungarischen Grenze. 2003 lancierte sie einen Wettbewerb für eine Schule, die für 900 Schüler und Besucher ausgelegt sein sollte. Das Grundstück des 2007 realisierten Schulkomplexes liegt in der Peripherie in nächster Nähe zu einer nach amerikanischem Vorbild gebauten Wohnsiedlung. Das Gebäude bildet den Endpunkt einer Reihe von großmaßstäblichen Stadterweiterungsprojekten, so genannten „Mega-Elementen“, welche Koprivnica in den vergangenen Jahren realisiert hat. Die Lage des Bauwerks ist geprägt von der Dualität von dichter Stadt einerseits und grüner Wohn-Peripherie auf der anderen Seite.

Die Architekten Lea Pelivan und Toma Plejic siedelten den Komplex in der Mitte des Grundstücks an. Er bildet einen Kontrast zur offenen Landschaft, in der es an räumlichen Hierarchien fehlt. Auf diese städtebauliche Situation antworteten Pelivan und Plejic mit einem dreigeschossigen Monovolumen, welches das Gymnasium und eine Sporthalle in sich vereint und vielfältige komplexe Raumbeziehungen herstellt. Im Erdgeschoss verbindet eine zentrale Achse Sporthalle und weitere gemeinschaftlich genutzte Räume mit den gegenüber liegenden Klassenräumen.

Das Projekt, das in public-private Partnership entstand, legte die Idee nahe, zwei sich ergänzende städtische Einrichtungen unter einem Dach zu vereinen: Das räumliche und visuelle Ineinandergreifen der beiden Einrichtungen bildet das Grundschema der Gebäudeorganisation. Die abstrakte Form des Gebäudes wird durch die durchgängig transluzente Fassade aus Polykarbonat-Elementen unterstützt. Das Erdgeschoss ist in Stahlbeton ausgeführt, in den Obergeschossen bilden H-Stahlträger die Tragstruktur. Die Geschossdecken der Klassenräume sind aus Trapezblech und Gussbeton. Die Decke der Sporthalle ist als sichtbare Stahlkonstruktion ausgeführt. Es handelt sich um ein orthogonal angelegtes Stahlträgernetz.

Generell sind die verwendeten Materialien Standardware (Beleuchtung, Aluminiumfenster, Brüstungsgitterroste, Opalglas) und wenn möglich als Rohbauteile belassen, wie es beispielsweise bei den Untersichten der Geschossdecken der Fall ist. Aufgrund der hohen Kosten wurde in der Sporthalle auf eine Klimaanlage verzichtet. Stattdessen wird sie durch Querlüftung über öffenbare Oberlichter und über Lüftungskanäle der ausladenden Klassenräume des obersten Geschosses im Sommer natürlich belüftet. Die doppelte Fassadenhülle aus Polykarbonat bewirkt im Winter einen Greenhouse-Effekt. Die transluzente Fassade lässt das Gebäude in den Abendstunden leuchten. Es wird so zum weithin sichtbaren Zeichen und zum Bezugspunkt für die Jugendlichen der Gegend.

Weitere Informationen finden Sie auf der offiziellen Webseite des Mies van der Rohe Preises.