
Wie alle anderen Industrien ist auch die Stahlbranche von der derzeitigen Finanzkrise betroffen. Dennoch gibt es laut Lakshmi Mittal, Konzernchef von ArcelorMittal, Grund für Optimismus. „Wir glauben, dass wir die Talsohle nun erreicht haben, und sehen erste Anzeichen einer Erholung“, so Lakshmi Mittal Mitte Februar. In Schwellenländern ziehe die Nachfrage wieder an, und in Europa und Nordamerika gingen die Lagerbestände der Kunden allmählich zur Neige. Außerdem hat die stark von Konjunkturschwankungen abhängige Stahlbranche offenbar ihre Lehren aus früheren Krisenzeiten gezogen und im Vergleich zu anderen Industrien sehr schnell auf die Krise reagiert.
Im Falle von ArcelorMittal sogar mit einer ziemlich ungewöhnlichen Strategie, der inzwischen auch andere Stahlhersteller gefolgt sind. Nämlich mit unmittelbaren Produktionskürzungen. So wurde das Produktionsvolumen Ende 2008 um etwa ein Drittel reduziert. Das ist insofern überraschend, als die bisherige Logik der Stahlbranche so aussah, dass viele Firmen trotz sinkender Nachfrage fleißig weiter produzierten, um wenigstens einen Teil der anstehenden Kosten zu decken. Die Folge waren häufig erhebliche Preiseinbrüche auf dem Markt.
Zwar sind die Stahlpreise in den letzten Monaten gesunken, und auch im laufenden Quartal ist bei den meisten Stahlfirmen mit deutlichen Gewinneinbußen zu rechnen. Dafür haben sich die Preise mittlerweile aber wieder stabilisiert, und wirklich in die Verlustzone abgerutscht seien bisher nur die wenigstens Firmen, so Finanzanalyst Hermann Reith von der BHF-Bank gegenüber dem Handelsblatt. An der Strategie, die Hochöfen auf Sparflamme laufen zu lassen, will man bei ArcelorMittal deshalb auch weiterhin festhalten. Mindestens solange, bis die Lagerbestände abgebaut sind, was aber nicht mehr allzu lange dauern dürfte. Auch wenn damit das ersehnte Wundermittel für einen Konjunkturaufschwung noch nicht gefunden ist und sich der Stahlmarkt insgesamt wohl doch langsamer erholt, als noch vor Monaten erhofft: mit der unkonventionellen „Preis vor Menge“-Strategie scheint dafür jedenfalls schon mal der richtige Boden bereitet.
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