
Die neue Fußgängerbrücke »Simone de Beauvoir« ist mit 304 m eine der längsten Pariser Seine-Brücken. Zwischen der Nationalbibliothek und dem Parc de Bercy überspannt sie in elegantem Schwung Fluss
und Uferstraßen und verknüpft auf variantenreiche Weise die unterschiedlichen Höhenniveaus der Quais und Straßen, der Bibliothek und der Freitreppe zum Park.
Die 12 m breite Brücke teilt sich in zwei sich durchdringende Ebenen. So können Passanten vom Plateau der Bibliothek in den Park flanieren oder auch direkt zu Straßen und Quais gelangen. Mit den wellenförmigen Decks, deren überdachter mittlerer Bereich auch für Veranstaltungen genutzt wird, entsteht ein neuer städtischer Raum über dem Fluss mit hohen Aufenthaltsqualitäten.

Die Brücke besteht aus drei Abschnitten: der über 194 m frei spannende Mittelteil als Kombination aus Hängekonstruktion und Druckbogen, die einander durchdringen, sowie zu beiden Seiten je
35 m lange Bogenträger, die über die Uferstraßen führen und vom Haupttragwerk unabhängig sind.
Die konstruktiven Elemente der Brücke folgen dem Kräfteverlauf: So steigen die Druckbögen zur Mitte hin an, die Zugbänder zu den Seiten. Entsprechend kehren sich auch die Streben aus vier pyramidenförmig angeordneten Stahlrohren um, welche die Zugbänder und Druckbögen vertikal verbinden und ungleichmäßige Belastungen abtragen. Die Spitze der Pyramiden ist jeweils mit dem Zugband, die Basis mit dem Druckbogen verschweißt. Die »punktförmige« Verbindung von Pyramidenkopf und Zugband entspricht einer gelenkigen Verbindung, diejenige der vier Rohre einer Einspannung. Die horizontale Aussteifung erfolgt zwischen den Druckbögen über Traversen und Diagonalstäbe.

Je zwei geknickte, schräge Stahlstützen bilden die Auflager an den Quais. Über ihre Stützenköpfe aus Gussstahl werden die Zugbänder senkrecht nach unten gelenkt bis zum Fundament, wo sie verankert sind. Die Druckbögen treffen jeweils am »Knie« der abgewinkelten Stützen auf. Die Längsausdehnung der Brücke nehmen die Auflager am linken Seineufer auf. Die Stützenfüße sind kugelförmig gelagert; ein zusätzliches Gelenk unter dem »Knie« dieser beiden Stützen erlaubt die Längsverschiebung. Schwingungstilger unter dem Deck der Hauptbrücke und hydraulische Dämpfer an den Auflagern der seitlichen Verbindungsbrücken reduzieren die Schwingungen.
Vertikalschnitt Auflager
Maßstab 1:300
Schnitt • Grundriss
Maßstab 1:2000
1 Verbindungsbrücke über Uferstraße
2 Geländer: Handlauf Aluminium eloxiert, Füllung Stahlnetz
Edelstahl
3 Zugband Hauptträger Flachstahl¡ 1000/100 bzw. 150 mm
4 Stütze Kastenträger vollverschweißt, 1000/600 –1000 mm
5 Querträger zwischen Stützen Stahlprofil IPB 360
6 Druckbogen Hauptträger: Kastenträger Hohlquerschnitt 1000/500
bzw. 700 mm
7 Kugelgelenk Stützenfuß
8 Nationalbibliothek
9 Quai François Mauriac
10 Uferschnellstraße
11 Parc de Bercy