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Stadt-Umland-Beziehungen, Suburbanisierung

Stadt-Umland-Beziehungen, Suburbanisierung

Als der berühmte amerikanische Architekt Frank Lloyd Wright im Jahr 1923 verkündete, dass „die Großstadt nicht mehr modern“ sei, wurde er entweder belächelt oder ignoriert. Mittlerweile werden solche Botschaften hintergründiger gelesen, weil man im letzten halben Jahrhundert die Erfahrung machen musste, dass die Suburbanisierung zum prägenden Effekt für fast alle Städte geworden ist: Sie hat das Umland nicht nur zum Fluchtpunkt des produzierenden Gewerbes, sondern auch zum Zielort vieler Städter werden lassen. Hierzu ist ein bisschen Statistik unverzichtbar: Die räumliche Ausdehnung der Kernstädte ist ein die Stadtentwicklung in Deutschland seit Jahrzehnten dominierender Trend, der auch in der jüngeren Vergangenheit ungebrochen anhält. Festzustellen ist eine anhaltende Flächenausdehnung der Stadtregionen, d.h. vor allem der engeren und weiteren Pendlerverflechtungsräume, sowie eine starke Zunahme der stadtregionalen Bevölkerung um rund 5 Mio. Einwohner (von 55 auf  60 Mio.).


Die Beobachtung der Bevölkerungsentwicklung in der jüngeren Vergangenheit, im Zeitraum 1997 bis 2004, belegt die ungebrochene Suburbanisierung, den anhaltenden dispersen Verstädterungsprozess. Das Bevölkerungswachstum bzw. Siedlungswachstum verlagert sich insgesamt – nach Art einer „Wanderdüne“ – in immer weiter von der Kernstadt entfernte Räume. Ergänzungsgebiet und engerer Verflechtungsraum verzeichnen die stärkste Bevölkerungszunahme, und das sowohl in Stadtregionen mit wachsender als auch schrumpfender Kernstadt. Verlierer in der jüngeren Vergangenheit sind die Kerngebiete (Kernstadt und Ergänzungsgebiet) der  Stadtregionen mit schrumpfenden Kernstädten.

Geht die Zeit der Stadtflucht, der Prozess der Suburbanisierung, allmählich zu Ende? Gibt es Anzeichen für eine Trendwende, für eine echte Rückwanderung aus dem Umland in die Stadt? Tatsächlich lässt sich für alle Stadttypen – von wachsenden bis schrumpfenden – seit Mitte der 90er Jahre ein Trendbruch zu beobachten: Ein Rückgang der Wanderungsverluste der Kern-städte aus der Stadt-Umland-Wanderung. Offen jedoch ist, ob diese Entwicklung eine anhaltende, echte Trendwende bedeutet, d.h. auch einen Wandel der Präferenzen im Wanderungsverhalten – also eine neue Lust auf Stadt –  widerspiegelt, oder ob sie eher strukturelle Ursachen hat, also ein Effekt des gesellschaftlichen Alterungsprozesses ist.

Man muss sehen, dass es, nicht nur in Deutschland, nach wie vor erhebliche Suburbanisierungstendenzen gibt. Nun haben allerdings viele der Betroffenen keineswegs ein Bedürfnis nach Peripherie, Suburbanität oder Stadtferne. Vielmehr sind sie auf der Suche nach bestimmten Lebensqualitäten – Wohnraumgröße, wohnungsbezogener Freiraum etc. –, die dort wesentlich kostengünstiger zu bekommen sind bzw. für die es im urbanen Kontext einfach kein Angebot gibt. Das heißt, hier besteht ein mangelhaftes Angebot, eine problematische Kopplung zwischen Konsumenten und Produzenten am Wohnungsmarkt. Es ist also Aufgabe des künftigen Bauens, dass mehr an qualitätvollen und nachfragegerechten städtischen Wohnangeboten entsteht, z.B. in Baulücken, aber auch auf den vielen Brachflächen, auf ehemaligen Kasernengeländen im Stadtgebiet.