Das Architekturbüro ahoch4 mit Sitz im sächsischen Zwickau und Falkenstein wurde 2004 gegründet, wobei keiner der Architekten derzeit älter als dreißig Jahre ist. Trotzdem kann das Büro bereits auf zahlreiche realisierte Projekte zurückblicken. Das liegt zum einen an der intensiven Akquisitionsarbeit der Architekten; zum anderen an ihrer breiten fachlichen Ausrichtung. Neben architektonischen und städtebaulichen Aufgaben werden immer wieder auch Arbeiten aus dem Bereich Grafik- und Möbeldesign umgesetzt. André Leischner von ahoch4 im Gespräch…


Welche Bedeutung hat der Büroname ahoch4?
Vor vier Jahren, als wir unmittelbar nach dem Architekturstudium ahoch4 gegründet hatten, beschäftigten wir uns nicht nur mit Architektur, sondern viel auch mit Visualisierung, Grafik und Design – also insgesamt vier Bereichen. Diese breite Ausrichtung des Büros war anfangs sehr wichtig, um möglichst viele Kunden anzusprechen und um überhaupt unabhängig arbeiten zu können. Abgesehen davon, lassen sich all diese Bereiche nicht voneinander trennen und sind in einem Architekturbüro, wo es doch immer auch um die Präsentation der Ideen geht, nicht wegzudenken.
Inzwischen hat sich ahoch4 auch in der Region Zwickau etabliert. Was würden Sie einem unbekannten wie unerfahrenen Büro empfehlen, um Architekturaufträge zu akquirieren?
Das wichtigste ist: Präsenz zeigen und Dauerakquise betreiben. Im privaten Sektor kommt man an Aufträge vor allem über den Bekanntheitsgrad. Also geht es darum, Leute zu kennen, die wiederum Leute kennen, die etwas bauen wollen. Im öffentlichen Bereich haben wir uns konsequent mit Ideen bei den Behörden vorgestellt. Nicht weniger wichtig ist es aber, den Anspruch, den man nach außen vermittelt auch an sich selbst zu stellen. Aus diesem Grund haben wir sehr viel Zeit etwa mit der Konzeption und Gestaltung unserer Website oder unserer Projektreferenzhefte verbracht.
Vor dem Hintergrund dieser sehr konzeptionellen Arbeitsweise: Wie laufen Entwurfsprozesse in Ihrem Büro ab?
Egal, wer welches Projekt maßgeblich bearbeitet, Zwischenergebnisse werden grundsätzlich ausführlich diskutiert und gegebenenfalls vorbehaltlos in Frage gestellt. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass gerade jene Entwürfe, die in einer intensiven Auseinandersetzung gewissermaßen durchs Feuer gegangen sind, hinterher auch Bestand haben. Auch wenn es nicht immer ganz einfach ist, hat sich bei uns inzwischen eine rege Diskussionskultur im Büro entwickelt.

Neben Gebäuden und städtebaulichen Konzepte bearbeitet ahoch4 auch vier Jahre nach Bürogründung noch immer Websites, Grafiken, Möbelstücke oder Gebrauchsgegenstände. Welche gemeinsamen Gestaltungsprinzipien liegen all diesen Arbeiten zugrunde?
Die Herangehensweise ist immer dieselbe. Zunächst wird die Ausgangslage analysiert. Dabei kann es durchaus passieren, dass wir die ursprünglich formulierten Ziele hinterfragen und dem Auftraggeber eine optimierte Vorgehensweise anbieten. Das daraus resultierende Konzept basiert dann aus einer klaren Definition sowohl der Ausgangslage wie auch des Ziels. Und wenn es gelingt, diesen Weg bis zum Schluss konsequent und möglichst ohne Kompromisse zu gehen, dann wird in der Regel auch das Ergebnis gut.

Entstehen Möbel wie etwa der „Sideboard Haus L.“ nur im Zuge von Architekturplanungen oder auch unabhängig davon?
In diesem Fall ging es um eine Innenraumgestaltung eines bestehenden Wohnhauses, bei der der Bauherr auf uns zukam und uns nach einer spezifischen Möbellösung fragte. Ansonsten werden wir aber eher unabhängig von unseren Architekturplanungen beauftragt. Ein Beispiel ist das Fotomodellmöbel, das wir derzeit für ein Fotostudio aus Dresden entwickeln und das den Hintergrund für Aktaufnahmen bilden soll.
Welche Rolle spielt der Bürostandort im sächsischen Zwickau? Beispielsweise haben die meisten Ihrer Projekte mit Sanierungen oder Umbauten von Bestandsgebäuden zu tun.
Zwickau ist von Umbauten und Sanierungen genauso betroffen, wie andere Städte auch. Aber für uns sind Auftraggeber von Neubauten bislang schwerer erreichbar, während öffentliche Auftraggeber sehr viel Sanierungsbedarf haben und Umbauten bzw. Sanierungen im privaten Bereich sehr gefragt sind. Überhaupt zählen Sanierungen im Hinblick auf die Wiederentdeckung der Stadt als Wohnraum zu den großen Bauaufgaben unserer Zeit – nebenbei sind diese für Architekten keineswegs einfacher zu bearbeiten als Neubauten. Ich denke, der Bedarf an Sanierungen wird kurz- bis mittelfristig höher sein, als der Bedarf an Neubauten.

Ein Beispiel ist Ihr Nutzungs- und Gestaltungskonzept zur Neuordnung mehrerer Baulücken in Falkenstein…
Hierzu wurden wir von der Stadt Falkenstein beauftragt, die mit den bis dahin bestehenden Gestaltungsideen unzufrieden war. In unserem Entwurf geht es vor allem um einfache und wiedererkennbare bauliche und landschaftsplanerische Maßnahmen, die die bislang ungenutzten Brachflächen wieder dem öffentlichen Leben zurückgeben sollen. Die Realisierung unserer Planung steht unmittelbar bevor.
www.ahoch4.de