Warning: getimagesize() [function.getimagesize]: Read error! in /kunden/190983_70794/rp-hosting/6827/7827/typo3cms/projekt1/zids/typo3conf/ext/hl_dam_gallery/class.ux_tslib_content.php on line 45

Warning: Division by zero in /kunden/190983_70794/rp-hosting/6827/7827/typo3cms/projekt1/zids/typo3conf/ext/hl_dam_gallery/class.ux_tslib_content.php on line 92
Interview

Interview

Für Frank Stintz von usp-architekten aus Berlin gibt es keine uninteressanten oder unwichtigen Bauvorhaben. Stattdessen liegt es für ihn in der Hand des Architekten, jene Chancen zu nutzen, die sich ihm an der zentralen Schaltstelle der Projekte bieten. In dieser Position sollte es nicht nur um die Lösung der Probleme der Baubeteiligten gehen, sondern vor allem um die aktive Einflussnahme auf die Qualität des Gebäudes. Frank Stintz im Interview…


Manchmal geht es Bauherren mehr um die ökonomische Abwicklung von Projekten als um konzeptionell-gestalterische Qualität. Wie können Architekten trotzdem sicherstellen, dass ihre Entwürfe entsprechend umgesetzt werden?

Am wichtigsten ist sicher eine gewisse Beharrlichkeit in der Verfolgung der Entwurfsideen. Dabei gilt der Grundsatz, dass sich einfache und prägnante Lösungen meist einfacher realisieren lassen als vergleichsweise komplizierte Lösungen. Vor allem während der Ausführungsplanung ist es für Architekten aber auch unerlässlich, sich der komplexen Beteiligtenstrukturen und der zentralen Position zwischen weiteren Planern, Bauherren, Generalunternehmern, Nutzern und zahlreichen Firmen bewusst zu sein. Bei dem von uns mitrealisierten Justizzentrum in Potsdam etwa stammte der Entwurf von Atelier 5 aus Bern, während es neben verschiedenen Ausschreibungs- und Bauleitungsbüros, Bauherrn und verantwortlichen Ministerien 40 Gewerke gab, die von rund 80 Firmen ausgeführt wurden. Der Architekt steht in solchen Fällen an der zentralen Schaltstelle und wird mit allen Problemen der Planung und Ausführung konfrontiert. Er verfügt dort aber auch über ein enormes Gestaltungspotenzial und hat wesentlichen Einfluss auf die Qualität des Bauvorhabens.

Das Potsdamer Justizzentrum, aber auch der Gewerbepark Rowalin in Hamburg sind relativ große Bauvorhaben, die ein gewisses Vertrauen des Bauherrn voraussetzen. Welchen Weg sind Sie gegangen, um dorthin zu gelangen?

Anfangs habe ich mich sehr viel mit Städtebau beschäftigt, konnte in der Zeit der allgemeinen Rezession der Neunziger Jahre allerdings nur wenige Projekte umsetzen. Daraufhin habe ich mich intensiver mit der oft zu Unrecht als wenig kreativ bezeichneten Ausführungsplanung beschäftigt, woraufhin sich mehr oder weniger enge Kooperationen und feste Netzwerk-Arbeitsstrukturen formiert haben. Noch heute bearbeiten wir daher gelegentlich einzelne Leistungsphasen für Kollegen. Angesichts einiger Referenzprojekte kamen Bauherrn schließlich immer häufiger auf uns zu und haben uns erst mit Entwürfen, später dann auch mit der Umsetzung ganzer Bauvorhaben beauftragt.

Welche Rolle spielen städtebauliche Überlegungen heute in Ihrer Arbeit?

Städtebau schafft den übergeordneten Kontext, in den Architektur zwingend eingebunden werden muss. Deshalb bildet das strukturelle Denken im großen Maßstab und in Makrostrukturen immer eine wichtige Grundlage meiner Arbeit. Architektur wird aber immer auch von geschichtlich sozialen Komponenten bestimmt, welche Fragen etwa zu grundsätzlichen Entwicklungstendenzen von Stadt oder Bevölkerung aufwerfen oder zur Auseinandersetzung mit der für ein Projekt angemessenen städtebaulichen Dichte führen. Gerade diese Dichte hat zur Folge, dass weitläufige Beteiligtenstrukturen auch im Gefüge der Stadt eine immer wichtigere Rolle spielen.

Ganz ähnlich wie bei Projektentwicklungen?

Gerade entwickle ich beispielsweise ein Konzept für ein Wohnhaus einer Bauherrengemeinschaft in Berlin. Dabei geht es in einer Art basisdemokratischem Prozess darum, Einfamilienhäuser von acht Bauherren in einer innerstädtischen Baulücke zu stapeln. Bevor man da überhaupt an Architektur denken kann, geht es erst einmal um die Schaffung der rechtlichen und vertraglichen Rahmenbedingungen – jene Dinge also, die oft als Leistungsphase Null bezeichnet werden.

Kommt Architekten dabei neben seiner eigentlichen Aufgaben immer mehr die Rolle des Moderators zu?

Der Anspruch an die Moderations- und Koordinationsfähigkeit von Architekten wird immer höher. Wer tatsächlich etwas bauen will, muss sich einbringen und während des gesamten Entstehungsprozesses eines Gebäudes präsent sein. Das Berufsbild des Architekten, der im stillen Kämmerlein geniale Entwürfe anfertigt, gibt es längst nicht mehr und ist selbst bei Architekturstudenten immer seltener anzutreffen. Stattdessen gibt es leider immer mehr Planer, die der Forderung mancher Objektentwickler nach einer in erster Linie ökonomischen und effizienten Architektur – quasi im vorauseilenden Gehorsam – nichts entgegenzusetzen haben. Architekten sollten keine Scheu vor scheinbar uninteressanten oder wenig anspruchsvollen Bauaufgaben haben und nicht mit vorgefertigten Meinungen auftreten. Vielmehr betrachte ich es als ihre Aufgabe, gerade diese Projekte zu interessanten und anspruchsvollen Projekte zu machen.


Opens external link in new windowwww.urban-space.de